Zum 2. Fastensonntag am 25.02.18 (Mk 9,2-10)

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

„Er wurde vor ihren Augen verwandelt“ – „Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit“ (Mt 26,37b), so heißt es im "Evangelium - der Frohen Botschaft", wenn davon die Rede ist, dass Jesus „Petrus, Jakobus und Johannes beiseite nimmt“, um ihnen etwas zu zeigen, was mit seiner Person und seinem göttlichen Auftrag zu tun hat, um sie in besonderer Weise an seinem Leben Anteil nehmen zu lassen. Einmal ist es der „hohe Berg“, auf den Jesus die Drei – „nur sie allein“ – führt, das andere Mal ist es „Getsemani“ am Ölberg, wo Jesus seine Todesangst durchlebt und wo auch die Rede von der Versuchung ist (Mt 26,41), die Thema des Evangeliums vom 1. Fastensonntag war. Beide Male – bei der Verklärung Jesu und bei seiner Todesangst – geschieht etwas mit ihm, was mit unserem Menschsein zu tun hat und gerade deshalb „zusammengehört“. Sowohl Jesu „Herrlichkeit“, seine Aus-Strahlung, die sich vor den Augen der auserwählten Apostel zeigt, als auch seine Ängste, die das Wissen um seinen bevorstehenden Tod hervorbringt, sind miterlebbar und können und sollen beide als Wegzeichen für unseren Weg deutlich werden. Weder die Auferstehung des Herrn ist denkbar ohne das Durcherleben seiner Passion noch ist der Tod Jesu das endgültige Ende seines Lebens. Die Wolke, die das Geheimnis Jesu ver-hüllt – er ist im Gespräch mit den entscheidenden Glaubensgestalten des Alten Testaments, die für den Bund und das Gesetz, für das Lebendighalten und Lebendigbleiben dieses Bundes stehen, „Mose und Elija“ – und die Stimme aus der Wolke, die das Geheimnis Jesu ent-hüllt, sind wichtige Zeichen für unseren Glauben: wie Jesus sind wir „geliebter Sohn, geliebte Tochter“, an denen Gott sein „Gefallen gefunden hat“ (Lk 3,22), haben darin unsere Grunderfahrung im Glauben, auf der all unser Glaubenswissen aufbaut, und wie Er ist die Kirche im Gespräch mit Mose, dem erwählten und berufenen „Gesetzgeber“ des Bundesvolkes, und mit Elija, in dem uns die Propheten und ihre Aufgabe begegnen, die ihre bleibende Bedeutung für das Gottesvolk des Alten und des Neuen Bundes haben. Vielleicht wächst uns ein neues Verständnis für unsere tiefe Beziehung zu den Juden, „unseren älteren Brüdern“, zu, mit denen wir – wie das zweite vatikanische Konzil uns anregt – in einen freundschaftlichen Dialog kommen sollen und so das Gespräch Jesu mit Mose und Elija mitvollziehen und fortsetzen dürfen.

Sehe ich auch in meinem Leben beide Seiten: Die Ausstrahlung, die ich als Christ habe, derer ich inne werden soll, und das Hineingenommensein in Jesu Leiden und Sterben, ohne das ich unecht bleibe in meinem Zeugnis für den Herrn? Bin ich versucht, diese beiden Seiten immer wieder zu trennen? Spüre ich, wo konkret meine Unechtheit als Zeuge für das Evangelium liegt?

Wolfgang Müller SJ

­