GCL-Wochenende „Mystik der offenen Augen“ , Haus St. Hildegard (Fischbachau- Birkenstein), Oktober 2014

Der tiefe Zusammenhang zwischen Innenschau und Umweltbeziehungen wurde den Teilnehmer(inne)n schon während der Anreise ins Bewusstsein gebracht. Die von warmen Sonnenschein und kontrastreichen Herbstfarben akzentuierte Voralpenlandschaft um das Örtchen Fischbachau erlaubte einige Beobachtungen, die sich eng mit den Besinnungsschwerpunkten des Wochenendes verknüpfen sollten: Der respektvolle Umgang mit den Tieren der Schöpfung (u.a. Schafe hinterm Haus), Spuren eines naturnahen und maßvollen Lebens, die Möglichkeit zu ruhigen Einblicken in die Kreisläufe der Natur.

Alles in Allem: Uns bot sich eine stimmige Kulisse für die thematischen Ausrichtung des GCL-Wochenendes, denn inhaltlich kreiste alles um die Zusammenhänge von "Klimawandel" und "einfachem Lebensstil" und der Frage wie eine schöpfungstheologisch motivierte Umweltpolitik aufgestellt sein müsste, um einen effizienten Beitrag zu leisten.

Den Ausgangspunkt der Betrachtungen bildete das einflussreiche Buch des Theologen Johann Baptist Metz: „Mystik der offenen Augen – Wenn Spiritualität aufbricht“. Die Teilnehmer/innen diskutierten die These, dass christliches Leben nicht am Anderen vorbei gehen kann. In einem weiteren Sinne heißt das auch, dass eine Annäherung an Gott nicht an den Natur- und Umweltbeziehungen des Einzelnen und der Gesellschaft vorbei gehen kann.

Wichtige politische Inputs verdanken wir dem Referenten Peter Jaumann von der GCL München, der sich schon viele Jahre mit dem Klimawandel und einfachem Lebensstil befasst. Aus spiritueller Perspektive gab Pater Andreas Reichwein SJ wertvolle Impulse: Die Priorisierung einer Anbetung der geschlossenen Augen gegenüber einer Spiritualität der offenen Augen sei für die Suche nach ganzheitlicher Gotteserfahrung wenig zielführend. Selbstverständlich komme einem Leben, das auf Besinnung ausgerichtet ist (vita contemplativa) und einem Leben, das sich der Welt zuwendet (vita activa), eine jeweils eigene Wertigkeit zu.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass eine Annäherung an den nur scheinbaren Gegensatz dann geschieht, wenn man Kontemplation als vorbereitendes und nachbereitendes Element für den Einsatz in der Welt sieht. Im stillen Gebet wird mir die Gelegenheit gegeben, Gedanken zu ordnen und neue Kraft zu schöpfen. Darüber hinaus kann sich das Herz öffnen, um Gottes Botschaft zu hören. „Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören.“ – ist beim dänischen Philosophen Søren Kierkegaard zu lesen. „Was will Gott von uns in dieser Zeit?“. Die Antwort, die uns Gott auf diese Frage im Gebet geben möchte, gilt es zu hören.

Auf diese Weise kann nicht nur Kraft und Ausrichtung gefunden werden. Es entsteht auch Vertrauen dass der Heilige Geist hilft, wenn ich mich gesellschaftlich engagiere. Im Buch Jesaja findet sich dieser Zusammenhang wieder: „Denn so spricht der Herr, der heilige Israels: Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft. (Jes 30,15)“. Die sich so entfaltende Kraft kann genutzt werden, um sich für Kernprinzipien christlichen Glaubens - Nächstenliebe und Bewahrung der Schöpfung – einzusetzen.

Wie sich die Beachtung der Prinzipien Besinnung, Wahrnehmen und Handeln konkret auswirken, konnten die TeilnehmerInnen selbst erfahren. Das Wochenende war geprägt von einem Wechsel intensiver Diskussionseinheiten und stillen Zeiten. So wurde deutlich, dass sich das Verständnis für den Zusammenhang von Mensch und Klimawandel vergrößert, wenn dem Nach-Hören der gesprochenen Worte mehr Raum geboten wird. Handeln braucht Besinnung und Besinnung braucht die Impulse des Handelns.

Den Abschluss bildete ein Austausch über praktische Tipps für den Alltag und Antworten auf die Frage "Wie komme ich ins Handeln?". Bezüge zu der eigenen Lebensführung waren dabei schnell ausgemacht. Ob man nun beispielsweise auf den Pizzalieferservice verzichtet, um den CO 2-Ausstoß zu verringern oder beim Duschen immer Shampoo verwendet, es kam in der Gruppe zu einem breiten Erfahrungsaustausch auch jenseits der bekannten Bio-, FairTrade- oder regional/saisonal-Kriterien. Eine größere Diskussionsfläche bot jedoch die Frage nach der Einflussnahme des Einzelnen auf die wirtschaftspolitischen Machtzusammenhänge. Zwar waren sich alle einig, dass ein bewusster Lebensstil, kritischer Konsum, Markenboykott und andere Maßnahmen im privaten Bereich einen wichtigen Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten können, damit das Ziel der Schöpfungsbewahrung aber realistisch nicht erreicht werden kann. Vielmehr geht es darum, eine breite politische Öffentlichkeit herzustellen, die ein Umpolen der Wirtschaftszwänge erwirken kann. Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss sich auch ökonomisch lohnen. Die sozialen Medien bieten hierfür eine geeignete Plattform, um sich für diese Themen sensibilisieren und politisieren zu lassen. Der Arabische Frühling hat diese Wirkmächtigkeit als Positivbeispiel unlängst unter Beweis stellen können. So entstand aus der Gruppe die Idee des Netzwerkgedankens als erste Organisationsform, um mögliche Veranstaltungen und Aktionen zu unserem Thema forcieren zu können. Ein erstes Nachtreffen interessierter TeilnehmerInnen soll an der Frage anschließen, was wir gemeinsam noch erreichen können und wollen. Alles in allem war dies ein Wochenende mit wohltuendem Input und hoffnunsgvollem output. Wir danken der Leitung für ihre offenen Augen.

Miguel Schütz, Lorenz Hüttenhofer


Du führst mich hinaus ins Weite ...
(Psalm 18) Zeit für Gott und Zeit für mich
Ein Wochenende für Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren im Oktober 2013 in Fischbachau

Unter diesem einfachen, schlichten Motto stand dieses Wochenende. Acht Erwachsene zwischen 24 und 37 Jahren plus P. Andreas Reichwein SJ und Frank Beyersdörfer in der Leitung verbrachten eine gesegnete Zeit.

Gesegnet war der Ort, unterhalb der Wallfahrt zum Birkenstein, im Haus St. Hildegard, beim Wendelstein in den Schlierseer Alpen. Das Haus wird verwaltet von der Gemeinschaft Emmanuel. Selbstversorgung. Das „soziale“ Leben spielte sich in der Küche ab. Das förderte ungemein die Kommunikation. Es war schön, so miteinander zu essen.

Gesegnet war der Empfang und die Hilfsbereitschaft durch den Hausverwalter und seine Frau – und seine Hilfe bei der Ankunft und den Zugverbindungen, denn einige Strecken waren gesperrt wegen Unwetter tags zuvor.

Gesegnet waren wir alle, die wir uns darauf eingelassen haben, Erfahrungen mit dem Beten zu teilen, neue zu sammeln, uns überraschen zu lassen.

Und gesegnet war die lange „Zeit für mich“ am Samstag bis 17:30 Uhr! Dass so eine Zeit Gebet sein kann!!!

Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, Yoga, Schriftbetrachtung, Eutonie, politisches Abendgebet, wieder Yoga, Eucharistie, ... und dazwischen Lieder, Stille mit dem Klang der Klangschale, Austausch, Texte, Bilder, die brennende Kerze. Und alles eingebettet in eine schöne Natur und Bergwelt um uns herum bei sonnigem Herbstwetter. Wir konnten dankbar sein – und waren überrascht, dass es Menschen gleichen Alters gibt, die Gleiches wollen, Gleiches suchen, Gemeinschaft finden – weil das in Arbeit und Beruf, in Familie und sogar Pfarrei allzu oft nicht geht.

„Ich bin überrascht“, sagte eine Teilnehmerin am Ende. Wir sind es auch, sind dankbar und wollen wieder so ein Wochenende anbieten! Und vielleicht auch mal mehr (drei Tage oder Kurzexerzitien)

Frank Beyersdörfer, Referent der GCL für Junge Erwachsene, München
P. Andreas Reichwein SJ, Seelsorger an St. Michael, München





Silvester am Meer
Vom 28.12.2013 bis zum 1.1.2014 verbrachten 15 junge Erwachsene den Jahreswechsel im Ostseebad Rerik, einige bereits zum wiederholten Male. Die Tage, die unter dem Thema „Von Gott begleitet – Unterwegs sein und Ankommen" standen und von Christel Tomaszek und Stefanie Erbs begleitet wurden, begannen nach der Anreise aller Teilnehmer mit einem spielerischen Kennenlernen und der Einführung in die Thematik. Zur Verdeutlichung wurde das bekannte Bild der von Jesus begleiteten Emmausjünger betrachtet, dessen Original im Kreuzgang der Benediktinerabtei Kornelimünster in der Nähe von Aachen hängt. Damit konnten wir uns gut darauf einstimmen, in den folgenden Tagen unsere bereits gegangenen und noch vor uns liegenden Wege in den Blick zu nehmen.

Der folgende Tag war dem persönlichen Rückblick auf das Jahr 2013 gewidmet. Nach dem morgendlichen Gebet und dem Frühstück konnte jeder und jede Einzelne sich eine persönliche Zeit der Stille nehmen, um im Gebet, bei einem Strandspaziergang oder bei Musik im Aufenthaltsraum das vergangene Jahr anzuschauen und das, was wichtig war, gestalterisch darzustellen. In zwei kleineren Gruppen, die in ihrer Zusammensetzung während der ganzen Tage beibehalten wurden, kam es danach zum Austausch, der von großer Offenheit und von Vertrauen geprägt war. Es war eine schöne Erfahrung und Übung, das Vergangene noch einmal bewusst anzuschauen, sich auf Wesentliches zu konzentrieren und den anderen Anteil zu geben an dem, was in den letzten zwölf Monaten wichtig geworden war. Vor dem Abendessen und dem Abendgebet trafen wir uns jeweils zu zweit, um nochmal unter konkreten Fragestellungen nach den Erfahrungen von Segen und Begleitung durch Gott miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zwischen den inhaltlichen Einheiten gab es viel Spiel und Gespräch, die schöne Erfahrung von gleich gesinnten Gleichaltrigen, jeder individuell und in seiner Lebenssituation auf der Suche nach einem bewussten Leben mit spirituellen Akzenten. Für mich persönlich sind solche Tage immer wieder eine Stärkung auf dem Weg, ein Ankommen und ein Erlebnis des Begleitetseins.

Wie man sich unschwer denken kann, war dann der 30.12.2013 dem Ausblick auf das kommende Jahr vorbehalten. In derselben Struktur, mit persönlicher Zeit der Stille, einem gestalterischen Element, das die persönlichen Themen des neuen Jahres zum Ausdruck bringen sollte, und intensivem Austausch in der Kleingruppe konnte sich jeder und jede fragen, wie sein "himmlisches Jerusalem" im neuen Jahr aussehen würde oder – alternativ – wo er/sie Ende 2014 stehen möchte. Manche Themen setzten sich natürlich fort, die bereits beim Jahresrückblick angesprochen wurden; manche Teilnehmer berichteten, dass große Neuerungen und Wendepunkte für sie bevorstehen. Der Austausch in der Gruppe machte Mut und gab Stärkung, um die neuen Wege hoffnungsvoll zu beschreiten. Am Abend war Zeit, um gemeinsam zu spielen, zu musizieren oder einen individuellen Kalender für das neue Jahr zu gestalten.

Am Silvestertag stand dann natürlich der Jahreswechsel im Mittelpunkt. Im Rahmen einer Bibelarbeit konnten wir uns am Vormittag nochmals mit der Geschichte der Emmausjünger beschäftigen, im Rahmen einer Assoziationsrunde, in der jeder Teilnehmer eingeladen war, eigene Gedanken, Schwerpunkte und Gefühle mitzuteilen, die dieser Bericht aus dem Evangelium in ihm/ihr auslöst. Die Vielfalt an Akzenten, Stimmungen und Impulsen, die dabei aufkamen, war bemerkenswert und bereichernd zugleich. Wir konnten erfahren, dass durchaus mehr Emmausbericht steckt, als "nur" die Botschaft "Jesus geht mit". Für mich war das ein Lehrstück dafür, dass man sich immer wieder auch den Geschichten öffnen kann und soll, die man vermeintlich schon bis in jede Einzelheit kennt. Der Nachmittag des 31.12.2013 stand dann ganz im Zeichen der Vorbereitung des bewegenden Wortgottesdienstes, den wir am Abend mit Lob und Dank, mit Elementen des Abschieds und des Aufbruchs, mit Gebet und Gesang gemeinsam gefeiert haben. Die Feier des Silvesterabends mit Musik, Tanz, Theater und Gespräch schloss sich an, bis die meisten dann kurz vor Mitternacht an den Strand und dem neuen Jahr entgegen gingen. Eine kleine Gruppe, die in einer Meditation das alte Jahr verabschieden und das neue Jahr begrüßen wollten, stieß dann später hinzu. Gegen 2:00 Uhr waren alle im Bett.

Am 1.1.2014 verabschiedeten wir uns, schauten nochmal auf unsere Erlebnisse und Gefühle während der vergangenen Tage und gingen dann gestärkt und mit der Erfahrung in das neu angebrochene Jahr, dass Gott mit geht, egal, ob wir das immer bemerken oder nicht.

Andy Ruzik