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Zum 25. Sonntag im Jahreskreis am 24.09.17 (Mt 20,1-16a) pdf-Datei [28 KB]


In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.
In unserer Begegnung mit Jesus geht es um das „Himmelreich“, das er uns nahebringen will als die eigentliche Zukunft, auf die hin wir leben auf dieser Welt, in unserer Zeit und an unserem Ort. Nicht das „Hier“ und „Jetzt“ ist unsere letzte Bestimmung, die uns der Schöpfer zugedacht hat und die er mit uns unermüdlich anstrebt in allem, was ER ver-„fügt“ – „hier und jetzt“ – , was er uns zumutet, wozu er uns verlocken will, sondern die ewige Seligkeit in seinem Reich, das er uns erschließen will mit allem, was er uns sagt und an uns tut. So ist die grundlegende Weise, wie er uns dieses unbekannte, all unsere gewohnten Vorstellungen und Einstellungen unendlich übertreffende Ziel unseres Lebens „schmackhaft“ machen will, die Form der Bilder und Gleichnisse. Diesmal geht es im Sonntagsevangelium darum, dass uns aufgeht, wie sehr wir unserem „Schöpfer und Herrn“ am Herzen liegen, wie sehr er sich um uns kümmert, damit wir alle empfundene Sinnlosigkeit unseres Daseins überwinden, indem uns zugesichert wird, dass wir „entlohnt“ werden, wenn wir „uns einbringen“, indem jeder und jede in unerwartetem und verlockendem Maß bekommt, was er sich im Innersten wünscht und ersehnt, wie auch immer er sich „abgesprochen“ hat oder „überrascht“, „entlohnt“ erfährt. Unsere sehr menschlichen und gewohnten Vergleiche – hier: „mehr Arbeit – mehr Lohn“ fallen dahin in diesem Himmelreich, weil eben alles reines Geschenk“ ist. Alles was wir tun können und auch müssen, ist mit ganzem Herzen das Geschenk annehmen. Das mir zugedachte und angebotene Geschenk, das aus dem Herzen Gottes kommt und mich persönlich meint. Deshalb – so persönlich geht der Schöpfer mit seinem Geschöpf um – ist jeder Vergleich unmöglich und führt ins Leere – in die Enttäuschung oder in den Unmut oder in die Undankbarkeit, – ob es der Vergleich mit dem anderen ist, der in seiner Situation seine „Belohnung“, sein Geschenk bekommt und annimmt, oder ob die eigene Leistung mit der des anderen verglichen wird. Die irdischen Denkweisen werden im „Himmelreich“ „auf den Kopf gestellt“, aber „überboten“, sodass deutlich wird, dass alle „Angebote“ unsererseits nur ein Echo sein können auf Gottes „gezieltes“, also meiner je individuellen Situation entsprechendes, Angebot seiner Liebe und Sorge für die, die er nicht als Knechte und Mägde, sondern als Partner geschaffen hat, damit sie ihm begegnen können – auf gleicher Augenhöhe, wie es uns Jesus unermüdlich beizubringen versucht. Aus der Begegnung mit dem Auferstandenen, die den hl. Paulus zu einem durch und durch von Jesus her denkenden und aus ihm heraus lebenden – „bekehrten“, umgewandelten Menschen und so zum Völkerapostel werden ließ, sind seine Briefe entstanden, in denen wir Überzeugungen formuliert finden, wie wir sie im Römerbrief (8,29f.) nachlesen können: „Die er sich ausgedacht hat – Gott, der liebende Schöpfer – , die hat er auch dazu bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu sein, so dass dieser der Erstgeborene unter vielen Geschwistern ist, und er hat sie gerufen und wieder ins Lot gebracht und ebendiese hat er „verherrlicht“, also zu leuchtenden Gestalten gemacht“ und damit zu solchen – wie es der zweite Korintherbrief (2,14f.) ausdrückt – die den „Duft seiner Erkenntnis“ als „Wohlgeruch Christi“ ausströmen.


Erlebe ich an mir etwas von dem Strahlen und Duften des „Himmelreichs“, zu dessen Denkweisen und Grundhaltungen mich Jesus „bekehren“, verlocken will? Hier und heute, in meinem persönlichen Leben? Sehne ich mich nach diesem neuen Leben, das der Herr uns immer neu anbietet? Bekommt es in mir immer mehr die Ausstrahlung und den Duft, die andere anlocken? Widerstehe ich der „Ausstrahlung“ und den „Düften“ dieser Welt, die mein Leben nicht tragen und retten können?
Wolfgang Müller SJ




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