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Zum 7. Sonntag der Osterzeit am 28.05.17 (Joh 17,1-11a) pdf-Datei [11 KB]
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.
Nach dem Abschiedsmahl Jesu mit der Fußwaschung und den Abschiedsreden, in der die Zwölf manches Unverständliche hören, bringt Johannes in seinem Evangelium das Abschiedsgebet Jesu, in dem er sich an seinen Vater wendet. Man hat es das „hohepriesterliche Gebet“ genannt, weil Jesus sich als der große Mittler zwischen Gott und den Menschen ausdrücklich in seiner priesterlichen Aufgabe zeigt. Er weiß sich als der, dem der Schöpfer die „Vollmacht“ über alle Menschen geschenkt hat, ihnen weitergeben zu dürfen, was er selbst – als Mensch, der er geworden ist für uns Menschen – empfangen hatte: die Fülle des Lebens, „ewiges Leben“, das darin besteht, den Schöpfer und seinen Gesandten, Beauftragten, kennen zu lernen und mit ihm in lebendiger Beziehung zu stehen. In diesem Gebet Jesu, in dem er unmittelbar seinen eigenen göttlichen „Ursprung“ anspricht, wird deutlich, wer er selber ist und wozu wir als seine „Brüder und Schwestern“ berufen und befähigt werden: in Jesus eine Unmittelbarkeit zu Gott zu haben, die uns zur Erkenntnis unseres eigenen Wesens führt und befreit. Wir dürfen uns ganz persönlich berufen wissen, „vor Dir zu stehen“ – zu leben – zu sein – und „Dir zu dienen“, wie es bei der Eucharistiefeier das zweite Hochgebet im Gebet nach der Wandlung deutlich ausspricht. Doch diese Berufung zum „Stehen vor Gott“ und zum „Gottes-Dienst“ ist zugleich die Berufung, „Anteil zu haben an Christi Leib und Blut “, und „eins zu werden durch den Heiligen Geist“, die immer neu erbeten wird und erbeten werden muss von der Kirche. So ist der dreifaltige Gott in dieser Berufung des Menschen gegenwärtig. Denn das Festhalten am Wort des Vaters, das Annehmen dieses Wortes, das Jesus uns vermittelt, gegeben hat, das Erkennen der Sendung Jesu und das Glauben an ihn wirkt der Heilige Geist. Im persönlichen Gebet Jesu, an dem wir Anteil haben dürfen, bittet Jesus für uns, die wir Gott gehören und zu Jesus gehören, in all unseren Anliegen. „Nicht für die Welt“, die – und soweit sie – sie selbst bleiben, sich um sich selbst drehen und autonom sein will und der Verwandlung durch Jesus Christus widersteht, bittet er und kann er bitten. Wir, die wir zu ihm gehören, machen seine „Verherrlichung“ aus, seinen Glanz und seine Macht und seinen Reichtum, auch wenn wir noch nicht dort sind, wohin er uns vorausgegangen ist und uns beständig lockt und zieht und wo er uns haben will (Joh 17,24).
Ist mir dieses Gebet Jesu, in dem ich – wir – die Kirche vorkommen und unseren eigentlichen und entscheidenden Lebensweg erkennen können und sollen – gegenwärtig bei meinem Beten, das immer ins Gebet Jesu eingebettet ist? Welche Grundkenntnis für mein konkretes Leben wird mir darin deutlich und wichtig?

Wolfgang Müller SJ




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