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Zum 3. Sonntag im Jahreskreis am 21.01.18 (Mk 1,14-20) pdf-Datei [10 KB]


Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.



Während an den letzten beiden Sonntagen Jesus in der Beziehung zu Johannes dem Täufer auftrat als der von ihm Getaufte und als der, auf den Johannes die umkehrwilligen Landsleute und die eigenen Jünger hinwies, tritt nun Jesus voll in den Mittelpunkt und beginnt, als der gottgesandte Messias der Welt zu wirken. Er geht in einen sicheren Raum, den er in seiner Heimat Galiläa findet, und bringt „lehrend“ – Neues anbietend – und zugleich mitreißend „das Reich Gottes ankündigend“ und die Kranken, die ihm zuströmen, „von innen heraus und in der Tiefe heilend“ – Sünden vergebend und leiblich regenerierend – seine Botschaft unter die Menschen (Mt 4,23/9,35). Der Evangelist Markus, der als erster zusammenfassend über Jesus, sein Leben und seine Botschaft schreibt, will nicht einfach historische Daten zur Verfügung stellen, sondern gibt wieder, was der Eindruck von Jesu Reden und Wirken unter den Menschen war, also die Betroffenheit derer, die ihn er-lebten in der persönlichen Begegnung. So war seine Botschaft die vertiefende Weiterführung der Predigt des Täufers: „Umkehr“ des ganzen bisherigen Denkens und Fühlens und Entscheidens in der „Hinkehr zum“ und Ausrichtung auf den Messias, der leibhaftig vor ihnen stand, und damit Teilnahme an seiner Sicht und Beurteilung der Welt: des Menschen, der Dinge, alles Geschehens, das über die Menschen „hereinbricht“ oder „von ihnen verursacht wird“. Für dieses Tun mitten unter den Menschen braucht er und sucht er solche, die in besonderer Weise seinen göttlichen Auftrag mittragen und weiterführen. Deren Auswahl geht immer einher mit einer ganz persönlichen Einladung zu einem Dienst, für den er selbst die Befähigung und Berechtigung schenkt und garantiert. Wenn er sein einladendes Wort an Menschen richtet – unabhängig von deren Selbsteinschätzung – dann spüren diese, dass es ernst gemeint ist und keine Bedingungen und Ausreden – wie berechtigt und zwingend auch immer sie erscheinen – dulden. Dieses „sofort“, „sogleich“ – sehr häufig bei Markus – will das eindrücklich herausstreichen. Wenn wir betend uns einstimmen in die Nachfolge Jesu, dann immer in dem Bewusstsein und der Bereitschaft, persönlich vom Herrn angesprochen zu werden und dieses „Aug in Aug mit ihm“ zu suchen.


Hat die in vorgeformten Gebeten immer wieder vorkommende Anrede „mein Jesus“ („Mein Jesus, Barmherzigkeit“) eine Bedeutung für mich? Fühle ich die persönliche Begegnung mit Jesus, die persönliche „Berührung“ durch Jesus? Wie dicht und einmalig ist mein „Wissen“ von Jesus, mein „Glauben“ an Jesus?


Wolfgang Müller SJ






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