Die Wurzeln der GCL reichen fast ein halbes Jahrtausend in die Geschichte zurück – bis hin zu den ersten Jahren des Jesuitenordens. Ignatius von Loyola (1491-1556), der Gründer des Ordens, war ein baskischer Adliger, der im Kampf verwundet wurde. Während seiner langwierigen Genesungsphase beschloss er, sein Leben zu ändern. Er brauchte einige Zeit, bis er seinen Weg fand. Gemeinsam mit einigen Gefährten gründete er schließlich eine Gemeinschaft, aus der der Jesuitenorden (Societas Jesu, SJ) heranwuchs. Seine geistlichen Erfahrungen beschrieb Ignatius in „Bericht des Pilgers“. In seinem „Exerzitienbuch“ und vielen Briefen versuchte er, diese Erfahrungen für andere fruchtbar zu machen. In diesen Schriften liegen die spirituellen Grundlagen der GCL.

P. Leunis sj

Um 1560 sammelte der belgische Jesuit Jean Leunis eine Gruppe von Studenten am jesuitischen Collegio Romano um sich. Die Studenten teilten ihren Alltag und ihren Glauben und vertrauten sich dabei der besonderen Führung Marias an. So entstanden die Marianischen Kongregationen als dem Jesuitenorden verbundene Laienbewegung, deren Mitglieder sich wöchentlich trafen.

Hier drei Auszüge aus "Monumenta Historica S.J., Polanci complementa I, Madrid 1916, 375- 470f.". Es sind die erste Berichten über die Gründung der Marianische Kongregationen:   jpgBrief 30.6.1563   jpgBrief 14.07.1564 Teil I   jpgBrief 14.07.1564 Teil II

 Als der Jesuitenorden im Jahr 1773 unter Papst Clemens IV. aufgehoben wurde, existierten etwa 2.500 Gruppen der Marianischen Kongregationen. Es folgten einige Monate der Unsicherheit, wie es mit diesen Gruppen weitergehen sollte. Dann fiel in Rom der Beschluss: Die Marianischen Kongregationen durften weiterbestehen, wurden aber unter die Obhut der jeweiligen Diözesanbischöfe gestellt. Unter diesen neuen Bedingungen wuchsen die Marianischen Kongregationen zwar zu einer regelrechten Massenbewegung innerhalb der katholischen Kirche, verloren aber zugleich in weiten Teilen den Kontakt zu ihrer Wurzel, der ignatianischen Spiritualität.

1922 berief der Generalobere des wiederhergestellten Ordens ein Treffen derjenigen Jesuiten ein, die mit Gruppen der Marianischen Kongregationen zusammenarbeiteten. In Rom wurde ein Sekretariat gegründet, das Jesuiten und Marianische Congragationen gleichermaßen unterstützen sollte. Papst Pius XII. betonte 1948 in der apostolischen Konstitution „Bis saeculari die“ ausdrücklich die ignatianischen Wurzeln der Marianischen Kongregationen und ermutigte die Kongregationen, sich auf diese Wurzeln neu zu besinnen. Davon ging eine Erneuerungsbewegung aus: 1953 wurde die „Weltföderation der marianischen Kongregationen“ gegründet, in der Laien die Verantwortung übernahmen und Priester beratend als „Kirchliche Assistenten“ zugeordnet waren. „Allgemeine Grundsätze“ wurden erarbeitet, die zusammenfassen, wie wir als Laien in Gemeinschaft die ignatianische Spiritualität im Heute leben wollen. In diese „Allgemeinen Grundsätze“ flossen auch die Errungenschaften und Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils ein. 1967 wurden die „Allgemeinen Grundsätze“ beim vierten Weltdelegiertentreffen von den aus 38 Ländern kommenden Vertretern einstimmig verabschiedet. Auch einen neuen Namen gab die Vereinigung sich: „Weltföderation der Gemeinschaften Christlichen Lebens“.

Nach diesem Vorbild auf internationaler Ebene wurden 1968 auch in Deutschland aus der „Nationalföderation der Marianischen Kongregationen“ die „Gemeinschaften christlichen Lebens“. Über diese Änderung konnte jede einzelne Gruppe für sich abstimmen. Marianische Kongregationen, die diesen Weg nicht mitgehen wollten, behielten ihren bisherigen Namen bei und wurden nicht Teil der GCL.

Im Laufe der Jahre verstand sich die „Weltföderation der Gemeinschaften Christlichen Lebens“ immer mehr als eine weltweite Gemeinschaft. Deshalb bestätigte das Weltdelegiertentreffen in Providence (USA) die Umbenennung in „Weltgemeinschaft christlichen Lebens“. Die daraufhin überarbeiteten „Allgemeinen Grundsätze“ wurden 1990 vom Päpstlichen Rat für die Laien anerkannt und die Gemeinschaft als „Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechts“ bestätigt.

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