Zum 17. Sonntag im Jahreskreis am 26.07.2020 (Mt 13,44-52)

 

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:  Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.

Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer geworfen wurde,und in dem sich Fische aller Art fingen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.

So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.

Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.

Von den sieben „Gleichnissen“, die bei Matthäus von Jesus berichtet werden, sind uns die von der Aussaat, vom Unkraut unter dem Weizen, vom Senfkorn und vom Sauerteig bereits vorgelegt worden an den beiden vorausgehenden Sonntagen. Diesmal kommen die letzten drei Bilder in den Blick, mit denen Jesus seine Botschaft vom Gottesreich eindrücklich und eindringlich den Menschen darlegt. Dazu gibt er dann zuweilen auch eine Erklärung für das, was er mit diesen Bildern meint. Denn ein Bild braucht eine Deutung, damit der Hörer nicht am äußerlich Sichtbaren und Hörbaren hängen bleibt, sondern in die Tiefe des Gesagten vordringt und sich die Botschaft ins Herz schreibt, wie der Titel eines Buches von Richard Rohr heißt: „Ins Herz geschrieben – Die Weisheit der Bibel als spiritueller Weg“. Es ist heute die Rede vom „Schatz“, von der „Perle“ und vom „Fischnetz“. Jedes dieser Bilder sagt etwas Entscheidendes über Jesu Denken und Wollen aus. Beim Bild vom Schatz verbindet sich in der Heiligen Schrift immer auch der Zugang zu ihm. Es lohnt sich, auch andere Schriftstellen herzuholen und wahrzunehmen: In Jes 45,3 heißt es: „Ich gebe dir verborgene Schätze und Reichtümer, die im Dunkel versteckt sind“. Und in Kol 2,2.3 steht: „…das göttliche Geheimnis zu erkennen, das Christus ist. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.“ ‚Verborgenheit‘ und ‚Entdeckung‘ gehören wesentlich zu einem Schatz, wie ihn die Bibel sieht: als Geschenk und Geheimnis. Wenn Jesus selbst dieser Schatz – für mich – ist, wird deutlich, wie diese persönliche „Entdeckung“ zur bedingungslosen „Aneignung“ in der Nachfolge Christi führt. Das Bild von der Perle bringt zum Ausdruck, dass wir – nach der plötzlichen und überraschenden Entdeckung einer Kostbarkeit – auf die Suche nach dem „Mehr“, dem ignatianischen Magis“, gehen, d.h. auf einen verheißungsvollen Suchweg, der uns das „Himmelreich“ immer tiefer erschließt, indem wir Jesus immer persönlicher kennen lernen wollen: das Geheimnis eines jeden, einer jeden Heiligen, in denen wir diese Sehnsucht und Suche nach Jesus staunend verehren. In der Verschiedenheit von Ort und Zeit, von Geschlecht und persönlicher Prägung gibt es kaum Grenzen, aber die Gemeinsamkeit in der Jesusverbundenheit ist genauso grenzenlos. Das Bild vom Fischnetz bringt die Unterschiedlichkeit der „gefangenen“ Fische zum Ausdruck, aber auch die Klarheit, dass nur die guten Fische eine Chance haben; freilich ist es die Sache Gottes, in keiner Weise die unsere, das Wann und Wer zu bestimmen, was unsere große Versuchung ist.

Welches Bild Jesu für seine Botschaft spricht mich am meisten an? Welches entspricht meinem eigenen Glaubensweg, meiner eigenen Persönlichkeitsprägung am besten? Welche Spur ist für mich am hilfreichsten, dass ich Jesus nahe komme, dass ich vorankomme in meiner persönlichen Beziehung zum Herrn?

Wolfgang Müller SJ

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