An Herrn Mauricio LOPEZ OROPEZA
Präsident der Weltgemeinschaft Christlichen Lebens

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Vatikan, 9. Juni 2018

Lieber Bruder,

ich habe Ihren freundlichen Brief erhalten, in dem Sie mich über das bevorstehende Welttreffen 2018 informieren, das zeitlich mit dem 50-Jahr-Jubiläum eures Weges als Gemeinschaft Christlichen Lebens zusammenfällt. Aus diesem Grund wollt ihr miteinander beten und euch besinnen, damit euch der Herr größere Tiefe in der Verwirklichung eures Charismas schenke, um so noch tiefer in das euch geschenkte Charisma einzutauchen und auch weiterhin eine Gabe für die Kirche und die Welt zu sein.

Wenn ihr euch der Gabe und der Gnade, die der Herr euch über all diese Jahre gewährt hat bewusst werdet, wird euch dies zuerst zu Demut und Dankbarkeit führen, weil Jesus weit über eure Fähigkeiten und Tugenden hinaus auf euch geschaut hat. Gleichzeitig ist es ein Ruf zur Verantwortung, aus euch selbst herauszugehen und  anderen zu begegnen, um sie mit dem einzigen Brot zu speisen, welches das menschliche Herz sättigen kann: die Liebe Christi. Möge euch die „gnostische Illusion“ nicht verwirren.

Im Zentrum eurer ignatianischen Spiritualität steht die Sehnsucht nach der Kontemplation in Aktion.  Kontemplation und Aktion, diese zwei Dimensionen gehören zusammen: „weil wir nur durch die Wunden Christi ins Herz Gottes gelangen, und weil wir wissen, dass Christus in den Hungernden, den Ungebildeten, in den an den Rand Gedrängten, in den Alten, den Kranken, den Gefangenen und in jedem verletzbaren menschlichen Fleisch verwundet ist.“

Ein christliches Leben mit einem starken geistlichen Leben und dem Einsatz für das Reich Gottes zu führen, bedeutet, sich durch Liebe Jesu formen zu lassen.

Es bedeutet, seine Empfindungen zu teilen (Phil 2,5) und sich ständig zu fragen:

Was habe ich für Christus getan? Was tue ich für Christus? Was soll ich für Christus tun? (vgl. EB 53).

Ich danke euch für eure Hingabe und Liebe zur Kirche und unseren Brüdern und Schwestern und ich ermutige euch, die Gegenwart Christi auch weiterhin in eurer Umgebung erfahrbar zu machen und somit all eurem Handeln eine apostolische Bedeutung zu verleihen.

Und, bitte, hört nicht auf, für mich zu beten. Möge Jesus euch segnen und die Gottesmutter euch beschützen!

In Brüderlichkeit

Franziskus

 

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