17. Weltdelegiertentreffen der Gemeinschaft Christlichen Lebens

Buenos Aires (Argentinien) 2018

 

GCL - eine Gabe für die Kirche und die Welt

„Wie viele Brote habt ihr? – Geht und schaut nach“ (Mk 6,38)

 

Schlussdokument[1]

 

Auf unserem gemeinsamen Weg durch diese Tage suchten wir mehr Tiefe

und eine intensivere Verbindung von Spiritualität, Gemeinschaft und Sendung,

um unser GCL Charisma in der Welt von heute zu leben –

und Gott rief uns, 

in die Tiefe zu gehen, unsere Erfahrungen zu teilen und hinauszugehen.

  1. Wir reisten „ans Ende der Welt“, nach Buenos Aires, auf der Suche nach dem missionarischen Geist und Eifer, die Papst Franziskus verwandelt und unsere Kirche belebt haben. Unsere Reise führte uns auf den Spuren von Jorge Bergoglio ins Colegio Máximo de San José, wo sich seine pastorale Vision unter den Menschen und Gemeinden im Barrio San Miguel entwickelte und in die Praxis umgesetzt wurde.
  2. Uns wurde auch eine Erfahrung der Kirche in Lateinamerika ermöglicht: Ihr Modell für Evangelisierung in einer zunehmend säkularisierten Welt kann Menschen frei machen, sich für Christus zu entscheiden. Wir spürten das Wirken des Heiligen Geistes, der Laien erneuert und verändert, ihnen Kraft gibt und sie neu sendet.
  3. Wir kamen als eine Weltgemeinschaft zusammen. Wir wollten dankbarer werden für die Gabe unserer Gemeinschaft und unserer Lebensweise, bereiter dafür, dass der Herr die Brote, die wir empfangen haben, vermehrt, und unser Wirken in der Welt fruchtbar wird. Wir haben die apostolische Bedeutung unserer Vorgehensweise [Unterscheiden – Senden – Unterstützen – Auswerten] als ignatianische Laiengemeinschaft neu entdeckt und erkannt, welche Gaben wir einer Welt anbieten können, die in Geburtswehen liegt (Röm 8,22) und sich nach Spiritualität und Transzendenz sehnt.

Die Vorbereitung des Weltdelegiertentreffens

  1. Drei Realitäten, die den Kontext prägen
    Unser Welttreffen wurde einberufen im Kontext von drei für uns bedeutsamen Realitäten:
  • der 50. Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Grundsätze und der Umbenennung in GCL als Ausdruck der Rückkehr zu unseren Wurzeln,
  • ein Pontifikat, das die Kirche erneuert und
  • die erneut bestätigte Berufung der Laien in der Welt von heute.

Diese drei Aspekte machten einen „Kairos“-Moment deutlich, um uns intensiver mit unserem Selbstverständnis und unserer Sendung als unterscheidende ignatianische Laiengemeinschaft auseinanderzusetzen – und zwar anhand der Brote, die wir Gott anbieten, damit ER sie vermehre.

  1. Geschichte unserer Sendung und unserer Identität
    Wir reisten zum Welttreffen im Bewusstsein der Geschichte unserer Sendung und unserer Prioritäten, die wir im Lauf der letzten Jahrzehnte gesetzt hatten. Der Unterscheidungsprozess beim letzten Welttreffen 2013 im Libanon brachte Klarheit, dass wir uns vor allem in den vier Bereichen Familie, Globalisierung und Armut, Ökologie und Jugend engagieren wollen. Die enge Verbindung von Sendung und Selbstverständnis wurde in Nairobi 2003 deutlich, als wir unsere Berufung als ignatianische Gemeinschaft von Laien bestätigten und den Prozess mit den vier Schritten von Unterscheiden – Senden – Unterstützen – Auswerten als unsere ureigene Vorgehensweise definierten.
  2. Zeichen der Zeit
    Wir waren unterwegs inmitten einer schnelllebigen und komplexen Etappe unserer Weltge­schichte, die geprägt ist von zunehmender Polarisierung, einer immer tiefer werdenden ökologischen Krise und mangelnder Bereitschaft, den anderen willkommen zu heißen (Offenheit gegenüber dem anderen). Die daraus resultierenden Probleme führten dazu, dass einige Delegierte nur verspätet anreisen und andere gar nicht kommen konnten. Der Zustand unserer Welt erfüllt uns mit Schmerz. Aber wir bekamen wichtige Impulse aus der Menschwerdungs­betrachtung, wie die Dreifaltigkeit auf diese Welt schaut. Wir schöpften neues Vertrauen aus der Schöpfungs­geschichte, in der der Heilige Geist in der Dunkelheit über dem Chaos der Urflut schwebt. Wir sahen den Geist am Werk in der Art, wie die syrische GCL mit uns im Gebet und in geschwisterlicher Verbundenheit durch diese Tage ging, obwohl ihre Delegierten ihr Visum erst am Ende des Weltdelegiertentreffens erhielten. Wir versuchten, uns in die Hände des Heiligen Geistes zu geben, so dass wir voller Vertrauen und voller Hoffnung unseren Weg in die Zukunft suchen können, die wir jetzt nur schemenhaft erkennen[2].


Als Welttreffen eine Gemeinschaft werden

  1. Die Aufnahme neuer Nationalgemeinschaften:
    Mit großer Herzlichkeit und Großzügigkeit wurden wir vom dem ARUPÁ Team aus Argentinien, Uruguay und Paraguay empfangen. Ihre Gastfreundschaft weckte in uns tiefe Freude, eine Weltgemeinschaft zu sein. Wir hießen auch die neuen Nationalgemeinschaften Litauen, Mauritius und Vietnam in der Weltgemeinschaft willkommen, durch die die Gabe der GCL an die Welt noch reicher und vielfältiger wird. Bei unserem Weltdelegiertentreffen waren 63 von 67 anerkannten Gemeinschaften anwesend, acht weitere nahmen als Beobachter teil. Insgesamt waren wir 204 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unter ihnen 51 Jesuiten, ein Zeichen unserer tiefen geistlichen Verbundenheit und unserer engen Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Jesu. Das Weltdelegiertentreffen nahm mit Interesse zur Kenntnis, dass das Wiederaufleben der GCL in den Niederlanden und die Gründung in Schweden, zwei hoch säkularisierten Gesellschaften, zeigt, dass unsere Welt sich nach der Erfahrung von tiefer Gemeinschaft sehnt, die auch die Erfahrung des Glaubens ermöglicht.
  2. Grußwort des Papstes
    Das Weltdelegiertentreffen nahm dankbar das überraschende Grußwort von Papst Franziskus entgegen, das für uns auch Quelle der Inspiration war. Er erinnerte uns daran, dass die Dankbarkeit für die Gaben, die wir erhalten haben, die Verantwortung dafür miteinschließt, immer neu auf andere zuzugehen. Im Zentrum unserer Spiritualität stehen die beiden Dimensionen von Kontemplation und Aktion, „weil wir nur durch die Wunden Christi ins Herz Gottes gelangen, und weil wir wissen, dass Christus in den Hungernden, den Ungebildeten, in den an den Rand Gedrängten, in den Alten, den Kranken, den Gefangenen und in jedem verletzbaren menschlichen Fleisch verwundet ist.“[3]
  3. Grußwort des Dikasteriums für die Laien, die Familien und das Leben
    In seinem Grußwort verwies Kardinal Kevin Farrell, der Präfekt des Dikasteriums für die Laien, die Familien und das Leben, auf Aussagen des apostolischen Schreibens Gaudete et Exsultate. Er lud uns ein, uns in unserem Leben in verschiedener Weise an dem irdischen Leben Jesu zu orientieren und somit unser eigenes Leben mit der Sendung, die wir von Gott erhalten, in Einklang zu bringen. Sein Grußwort zeigte uns den Zusammenhang von Identität und Sendung für diejenigen, die Christus nachfolgen und Gott in unserer heutigen Welt Mensch werden lassen möchten.
  4. Unterwegs mit einer missionarischen Kirche
    Der Kairos-Moment in unserer Kirche ruft uns, missionarische Jünger und Jüngerinnen für unsere Welt zu sein durch die Begegnung mit Jesus, der uns für die Liebe des Vaters empfänglich macht.[4] Austen Ivereigh, ein Biograph von Papst Franziskus, zeigte auf, was es bedeutet, sich auf diesen missionarischen Geist einzulassen: Christus zu sein in unserer verwundeten Welt, indem wir den Menschen helfen, mit der Schöpfung und der Welt als Geschöpfe Gottes wieder in Beziehung zu treten; Familie und Gemeinschaft zu erfahren, denn sie sind die Bande von Vertrauen und bedingungsloser Liebe, die Resilienz, Charakter und Selbstachtung ermöglichen; und den Menschen Zuflucht bieten. Dieser Weg ermutigt uns, uns von der Wirklichkeit und dem Heiligen Geist in unserer Sendung führen zu lassen.
  5. Der Weg ist selbst schon die Erfahrung
    In der Begegnung mit Familien und Mitgliedern der Pfarrgemeinde im Barrio San Miguel ließen wir uns ein auf eine konkrete Erfahrung einer missionarischen Kirche. Wir hatten Gelegenheit, unser Leben miteinander zu teilen. Die Delegierten des Welttreffens waren vom frohen und herzlichen Empfang sehr berührt und inspiriert vom großzügigen Geist, der in der Gemeinde trotz der schwierigen Lebenswirklichkeit spürbar war, von der die Menschen uns ebenfalls berichteten. Wir wurden daran erinnert, dass der Weg selbst schon die Erfahrung ist.
  6. Eine Geschichte der Gnade
    Maria Magdalena Palencia Gómez von der GCL in Mexiko berichtete von unserem Weg als unterscheidende ignatianische apostolische Laiengemeinschaft. Sie skizzierte unsere Geschichte, beginnend mit der Aufforderung von Pius XII an die Marianischen Kongregationen, sich im Sinne der Quellen zu erneuern[5], bis heute. Ihre Darstellung unserer Geschichte zeigte uns, wie der Heilige Geist uns die ganze Zeit begleitet und mit viel Geduld geführt und inspiriert hat und wie Gott sich mühte[6], aus uns eine Gemeinschaft im Dienst am Reich Gottes zu formen.
  7. Unser Name als Identität und Sendung:
    Über unsere ‚Heilsgeschichte‘ hinaus erzählte Magdalena etliche Schlüsselerlebnisse und Reflexionen, die uns an unsere Identität als Gemeinschaft Christlichen Lebens erinnerten, ein Name, der – wie P. Pedro Arrupe SJ gesagt hatte – uns vom Herrn gegeben wurde und bereits die Sendung dieser Gemeinschaft in sich trug. Er brachte ihn in Zusammenhang mit der Berufung Abrahams, dessen Bund und Sendung durch den ihm von Gott gegebenen Namen begründet wurden. Wir wurden daran erinnert, dass unsere Identität und Sendung eine Gabe sind, die uns von Gott anvertraut wurde. Im Laufe der Jahre haben wir diese Gnade immer konkreter ausbuchstabiert und darauf geantwortet, stets in der Spannung zwischen den Eingebungen des Guten Geistes und den Hindernissen und Spaltungen, die vom Abergeist kamen.
  8. Eine unterscheidende Gemeinschaft im Dienst der Versöhnung
    Unser Kirchlicher Assistent auf Weltebene, P. Arturo Sosa SJ, ermutigte uns, die Tatsache, dass wir eine unterscheidende Gemeinschaft sind, als Gabe wahrzunehmen, um Laien zur persön­lichen und gemeinschaftlichen Unterscheidung zu befähigen. Dieses Unterscheiden kann der Kirche zur Verfügung gestellt werden und somit ein Werkzeug der Weisheit für das Handeln in der Welt werden. Indem unsere Mitglieder sowohl an das ständige Gebet als auch den großmütigen Dienst herangeführt werden, fördern wir die Verbindung zwischen individueller Versöhnung und unserer Fähigkeit, Diener der Versöhnung zu werden.
  9. 15. Magis als Leben in andauernder Spannung
    Pater Sosa sprach auch die Spannung an, die auftritt, wenn wir die Beziehungen untereinander vertiefen. Er verwies auf das Magis als andauernde Spannung, weil wir gleichzeitig zu Gott und zur Welt hingezogen sind. In unseren gemeinschaftlichen Unterscheidungsprozessen müssen wir aufmerksam mit dieser Spannung umgehen und dabei sehr genau auf das Wirken des Abergeistes achten, der Spannungen leicht zu Konflikten werden lassen kann.
  10. Austausch, der Gemeinschaft schafft
    Der Teppich, der durch die verschiedenen Impulse gewoben wurde, half uns, in unserem gemeinsamen Geist zu wachsen, und machte uns noch deutlicher, wie wichtig es ist, dass wir eine Gemeinschaft sind. Wir öffneten uns noch mehr für diese Gabe unserer Lebensweise beim offenen Austausch in den gleichbleibenden Kleingruppen während des ganzen Unterschei­dungs­­prozesses des Welttreffens. Uns wurde die Schönheit des gemeinsamen Weges als unterscheidende, apostolische ignatianische Laiengemeinschaft bewusst.


Unterscheiden als apostolische Gemeinschaft

  1. Geistliches Gespräch und apostolische Unterscheidung
    Die Delegierten waren zu einem gemeinschaftlichen Unterscheidungsprozess eingeladen, aus dem Geist der Exerzitien und mit Hilfe des geistlichen Gesprächs. Fünf Tage lang lebten wir am Vormittag und am Nachmittag jeweils einen Prozess in drei Schritten: persönliches Gebet, Austausch in Kleingruppen (in drei Gesprächsrunden, um uns berühren zu lassen von dem, was wir von den anderen gehört haben, und darauf zu antworten) und Plenum. Die Dynamik der Exerzitien bildete den Rahmen, das geistliche Gespräch erinnerte uns wohltuend an den Austausch in unseren Gruppen daheim. Dieser Prozess wurde durch das ESDAC[7]-Team begleitet, das uns Gebetshinweise gab und mit großer Kreativität ermöglichte, dass jede Gruppe ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in das gesamte Weltdelegiertentreffen einbringen konnte.
  2. Abrahams Vertrauen in Gott
    In unserem gemeinschaftlichen Unterscheidungsprozess tauchte Abraham nochmals als Leitmotiv auf. Als Gott ihn ruft, ändert Abram nicht nur seinen Namen zu Abraham, sondern er wird von Gott auch aus seiner Komfortzone herausgeführt, ohne zu wissen, wohin sein Weg führt. Abrahams einzige Sicherheit ist sein Glaube an Gott. Wie Abraham begannen wir den Unterscheidungsprozess allein mit dem Vertrauen in den Heiligen Geist, der uns hilft, inmitten des Chaos Sinn zu finden. So wie jede und jeder von uns in Exerzitien ganz auf die Kraft des Heiligen Geistes vertraut, fühlte sich auch das ganze Weltdelegiertentreffen gerufen, den Prozess ernst zu nehmen und ganz der Führung des Heiligen Geistes zu vertrauen.
  3. Freuden und Mühen
    Im Laufe der Tage wurde uns bewusst, welche Herausforderung ein Unterscheidungsprozess in Gemeinschaft darstellt. Er verlangt Geduld und ein offenes Herz. Wir begegneten immer wieder Hindernissen, Widerständen und Schmerz, aber wir erkannten, dass all dies ein wesentlicher Teil des Prozesses ist, der im Licht von Christi Leiden, Tod und Auferstehung zu verstehen ist. Wie Pilger auf ihrem Weg in unbekannte Gegenden fühlten wir uns gerufen, demütig mit unseren Weggefährten in der GCL unsere eigenen Erfahrungen und die empfangenen Früchte zu teilen.
    1. Wir lernten, dass es schwierig ist, in der Indifferenz zu wachsen. Während des Unterscheidungsprozesses wurden wir mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert: sei es im Blick auf die Entwicklung des Prozesses selbst oder darauf, was genau von uns erwartet wurde. An einigen Punkten schien es auch an Klarheit zu fehlen. Das führte zu Frustration, Unverständnis und Trostlosigkeit. Wir erfuhren, wie schmerzhaft es ist, ungeordnete Anhänglichkeiten loszulassen und unsere Herzen auf das Größere auszurichten, das sehr langsam im Austausch in der Gruppe zutage tritt. In diesem Prozess lernten wir voneinander, demütig und geduldig zu sein.
    2. Wir entwickelten ein wachsendes Gespür für die vertraute geistliche Verbundenheit untereinander, die immer mehr wuchs, je tiefer der Austausch wurde und je mehr er über unseren persönlichen Lebenshintergrund, über die Wirklichkeit in unseren Heimatländern und Sprachschwierigkeiten hinausging. Obwohl wir uns manchmal dagegen wehrten, im Austausch persönlicher zu werden, konnten wir doch unsere Herzen allmählich füreinander öffnen; wir lachten und weinten und träumten miteinander. In diesem Prozess wurden wir eine Gemeinschaft von Freunden im Herrn. c
    3. Die Erfahrung unserer Schwäche und Unvollkommenheit war für uns befreiend. Irgendwann wurde uns klar, dass wir – wenn wir wirklich einen gemeinsamen Weg gehen wollen – ehrlich zugeben müssen, was das Wirken des Geistes in unseren Gemeinschaften behindert. Wir schauten auf das, was das Leben in unserer Gemeinschaft lähmt und bemerkten, wie leicht sich unsere Gruppen verschließen und um sich selbst kreisen, wie sie in einem Netz von Eigeninteressen gefangen sein können, Spaltungen und Konflikten zum Opfer fallen, wie sie die Leidenschaft für die Verkündigung des Reiches Gottes erlöschen lassen und somit die Ausstrahlung verlieren, die unsere Lebensweise für andere anziehend macht. In diesem Prozess erfuhren wir, wie zutiefst befreiend die Kraft der Wahrheit und der Versöhnung in unserer Gemeinschaft sein kann.
    4. Wir bewegten uns von Angst und Zweifel zur Einheit von Herz und Sinn. Im Laufe der Tage erlebten wir trotz aller Anpassungsschwierigkeiten an den Prozess und der gelegentlichen Erfahrung von Trostlosigkeit ein Gefühl echten Friedens untereinander. Während des gesamten Welttreffens wurden wir von den Gebeten der Weltgemeinschaft getragen, was wir vor allem in besonders schwierigen Phasen spürten. Diese unsichtbare, aber kraftvolle Energie ließ schließlich große Dankbarkeit, Trost, Freude, Hoffnung und Lust auf das, was vor uns liegt, hervorbrechen. In diesem Prozess konnten wir in kurzen Momenten den Frieden spüren, den nur der auferstandene Christus zu geben vermag.
    5. Wir erkannten, dass wir gemeinsam Entscheidungen treffen können. In dem Maß, in dem die Mitglieder der Kleingruppen miteinander vertrauter wurden, wurde es leichter, in unserem Austausch die Gemeinsamkeiten zu erkennen und zusammen eine Antwort auf die Fragen zu finden, mit denen wir unterscheidend umgehen sollten. In diesem Prozess lernten wir, wie aus unserer Verschiedenheit etwas entstehen kann, das mehr ist als die Summe aller Einzelteile.
  4. Der Schatz der Unterscheidung in Gemeinschaft:

Die Delegierten des Welttreffens erfuhren die Unterscheidung in Gemeinschaft als die Möglichkeit, unsere Sendung als ignatianische Laiengemeinschaft zu vertiefen. Während die Allgemeinen Grundsätze in Abschnitt 8 uns dazu anhalten, dass die Möglichkeiten unserer Sendung unbegrenzt sind, betonen sie in Abschnitt 2 sehr klar: ,Es [das innere Gesetz der Liebe] achtet die Einmaligkeit jeder persönlichen Berufung und befähigt uns, offen und frei zu sein, ständig für Gott verfügbar.‘  Gemeinsames, vom Gebet getragenes Unterscheiden in aufeinan­derfolgenden Gesprächsrunden ermöglicht, dass die geistlichen Bewegungen im Laufe des Prozesses sich immer mehr einander annähern. So können wir im Vertrauen und in der Identifikation mit unseren gemeinsamen Entscheidungen wachsen. Dieser Prozess erfordert Demut und Beharrlichkeit, da Widerstände schwierig zu überwinden scheinen. Jedoch sind die Früchte – stärkere Verbundenheit untereinander, größere Klarheit über den einzuschlagenden Weg – zu kostbar, um nicht geerntet zu werden. Allmählich öffneten wir uns für die Gnade, die das Miteinander-Gehen mit sich bringt. Wir begriffen, dass der Prozess selbst schon Gnade ist – der Weg ist wahrhaft Teil der Erfahrung.


Die Früchte unseres apostolischen Unterscheidungsprozesses

21. Was wir empfangen haben:

Wir kamen nach Buenos Aires mit dem Wunsch nach mehr Tiefe und einer intensiveren Verbindung von Spiritualität, Gemeinschaft und Sendung, um unser GCL-Charisma in der Welt von heute zu leben. Wir brechen von diesem Welttreffen auf in großer Dankbarkeit und getröstet angesichts all des Guten, das wir empfangen haben. Wir empfanden Reue über unsere Lähmungen. Uns wurde ein Weg tiefer innerer Umkehr ermöglicht. Untereinander und mit unserer Geschichte versöhnt, unsere Herzen mit Freude erfüllt, wurden wir wirkliche Freunde im Herrn, Gefährten auf dem Weg, mit neuer Kraft für unsere Sendung. Wir fühlten uns in unserer Berufung als ignatianische Laiengemeinschaft in der Kirche bestätigt.  

  1. Wozu wir uns gerufen fühlen
    Unser Unterscheidungsprozess führte uns dazu, die Frage zu erwägen: „Als Gemeinschaft Christlichen Lebens sind wir heute berufen…“
    Unter den vielen Antworten, die genannt wurden, öffneten sich vor allem drei Fenster:
    1. Wir fühlen uns gerufen, unsere Identität zu vertiefen, durch eine innere Bekehrung, die uns ermöglicht, vertrauensvoller und sorgfältiger mit unserem Charisma in all seinen Dimensionen umzugehen.
    2. Wir fühlen uns gerufen, mit anderen die Gabe der ignatianischen Spiritualität zu teilen, wie wir sie als Laien leben. Wir erleben die Unterscheidung und die ignatianischen Werkzeuge und Methoden als wertvolle Gaben, die wir nicht für uns behalten können.
    3. Wir fühlen uns gerufen, hinauszugehen, um denen in größter Not zu dienen, und die Samen der Barmherzigkeit, der Freude und der Hoffnung zu säen, um Jesus enger nachzu­folgen und mit IHM am Aufbau des Reiches Gottes zu arbeiten.
  2. Wie wir unsere Berufung leben werden
    Der in Buenos Aires gelebte gemeinschaftliche Unterscheidungsprozess ermöglichte uns ein neues Verständnis von GCL als ignatianischer Laiengemeinschaft und regte uns an, die finanzielle Mitverantwortung in aktiverer Weise anzugehen.
    Wenn wir den gemeinschaftlichen Unterscheidungsprozess auch in unseren nationalen Gemeinschaften leben, kann er sich als machtvolles Instrument erweisen, um unsere aposto­li­sche Berufung für das Reich Gottes authentischer zu leben. Dies mag auch den Samen dafür säen, in unserem Verständnis dafür zu wachsen, wie wir unsere Sendung in einer Weise leben können, die spezifisch – und prophetisch – für uns als Laien ist. Das Welttreffen empfiehlt dem Weltvorstand, diesen Prozess für die Umsetzung auf den unterschiedlichen Ebenen unserer Weltgemeinschaft weiterzuentwickeln. Wir fordern auch die Nationalgemeinschaften auf, durch die Delegierten, die von diesem Welttreffen zurückkehren, an den Methoden und Früchten dieses Prozesses teilhaben zu lassen. So können wir in der Tiefe wachsen und unser Charisma in das apostolische Leben unserer Gemeinschaften integrieren.

 

[1] Vielen herzlichen Dank an Daniela Frank, Inge Höpfl, Angelika Scholz, Gertrud Zeller und Nicole Zink für die Übersetzung des Schlussdokuments! 

[2] Vgl. 1 Kor 13,12

[3] Schreiben von Papst Franziskus an Mauricio López Oropeza, Präsident der Welt-GCL

[4] Austen Ivereigh in seinem Impuls während des Welttreffens „The Francis option: Evangelizing a world in Flux.“ (“Die Franziskus-Option: Eine Welt im Wandel evangelisieren”).

[5] s. sein Apostolisches Schreiben „Bis saeculari“ aus dem Jahr 1948

[6] Vgl. Exerzitienbuch 236

[7] ESDAC= Exercices Spirituels pour un Discernement Apostolique en Commun – „Geistliche Übungen zur Apostolischen Unterscheidung in Gemeinschaft”. ESDAC ist „eine Kommunions- und Entscheidungsfindungsinitiative für Gruppen, die dem Ruf Gottes antworten will. Diese Initiative inspiriert sich an den Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola und übernimmt Beiträge aus der Psychologie und der Soziologie.“ – s. http://www.esdac.net/-Deutsch-.html?lang=fr

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