Aus tiefen Quellen schöpfen – Morgenimpuls


Guten Morgen, liebe GCLerinnen und GCLer, liebe Teilnehmende,

„Aus tiefen Quellen schöpfen“ – auf diesen Aspekt unseres Mottos möchte ich nun eingehen und ein paar Anregungen für einen ersten/morgendlichen Austausch anbieten. Wie alle Christen in dieser Welt haben wir in der GCL eine einzige Quelle, unser „Grundwasser“, wie im Bibelvers beschrieben: „du tränkst uns mit dem Strom deiner Wonnen. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens“ Jesus Christus ist unsere Primäre Quelle. Ich stelle mich vor, wie aus dieser einen primären Quelle, sich kleine Bächlein im Laufe der Geschichte entwickelt haben. Es sind die vielen Formen der Spiritualität, die unterschiedliche Zugänge zu Gott für die Vielfalt der Menschen ermöglicht haben. Wir, hier versammelt, sind dankbar für die Gotteserfahrung von Ignatius. Seinem Flusslauf folgen wir und suchen Gott im heute und jetzt. Inwiefern ist die ignatianische Spiritualität eine Quelle in meinem Leben? Als Anregung teile ich gerne mit Ihnen und Euch, was ich für mich als hilfreich empfunden habe. Vielleicht können Sie sich damit identifizieren und/oder weitere persönliche Akzente hinzufügen. Zu Beginn war für mich die Erfahrung der Exerzitien entscheidend. Meine Sehnsucht nach Sinn und Beziehung mit Gott wurde dabei durch das Stillwerden und die Schriftbetrachtung erfüllt. Im Begleitgespräch konnte ich Schritt für Schritt erlernen, meine Fragen zu buchstabieren sowie die inneren Regungen zu erkennen und zu unterscheiden. Im Trubel des Alltags ist mir der Tagesrückblick als Instrument wichtig, um Gottes Spuren Mitten im Leben zu suchen und zu finden. Hier ein erster Impuls für Sie: Welche Elemente aus der ignatianischen Spiritualität sind für Sie oder für Euch Quelle geworden? Anregend könnte aber auch sein, sich nicht nur über die Quellen zu unterhalten, sondern auch über den eigenen Umgang damit. Anregungen dazu gibt Ephräm der Syrer, einer der größten Theologen der syrischen Kirche aus dem 4. Jhd. n. Chr.. Er schreibt: 

Jede geistliche Bewegung läuft Gefahr, den eigenen Weg – so wichtig er für den/die EinzelneN ist – zu verabsolutieren. Eine gewisse Weite in unserer Sichtweise kann helfen, sich bewusst zu machen, dass unser Flusslauf nur einen winzigen Teil des gesamten Flusses darstellt. 

Wer sich an die Schrift wendet, sollte nicht annehmen, dass der eine Aspekt seines Reichtums, den er gefunden hat, der einzige Aspekt ist, der existiert. Vielmehr sollte er erkennen, dass er nur einen der vielen Reichtümer entdecken kann, die es in ihr gibt. 

Ephräm der Syrer

Freue dich, weil du Freude gefunden hast, und klage nicht, weil du den Rest zurücklassen musstest. Ein durstiger Mensch freut sich, weil er getrunken hat. Er beklagt sich nicht, weil er nicht trinken konnte, bis der Brunnen versiegt war. 

Das Zitat geht noch weiter… 

Der Brunnen soll deinen Durst stillen; dein Durst soll nicht den Brunnen stillen. Wenn dein Durst versiegt, während das Wasser des Brunnens nicht versiegt, kannst du trinken, wann immer du durstig bist. Wenn aber der Brunnen gelöscht würde, nachdem du deinen Durst gestillt hättest, würde dein Sieg [über den Brunnen] dir nur Schaden zufügen. 

Diesen Hinweis kann man meines Erachtens auch als Kritik an einer konsumistischen Art und Weise lesen, mit Ressourcen umzugehen. Und natürlich passt zum geistlichen Leben auch nicht die Mentalität des „all you can eat“. Völlerei oder Selbstbeglückung ist ja schließlich nicht das Ziel einer Spiritualität, sondern vielmehr durch die geistige Übung neuen Schwung zu haben, um unsere Sendung in der Welt zu verwirklichen. In diesem Sinn: Ist für mich die Spiritualität nur eine Kuschelecke? Habe ich meine Sendung im Blick? Ein letztes Zitat aus Ephräm

Bedanke dich für das, was du genommen hast, und klage nicht über den Rest, den du nicht nehmen konntest. Das, was du mitgenommen hast, ist dein Anteil [für heute], das, was du übriggelassen hast, der Rest, ist dein Erbe. 

Hier schließt sich direkt die Frage an: Für welche Elemente der ignatianischen Spiritualität bin ich dankbar und freudig, sodass ich von unserem spirituellen Weg gerne weitererzählen mag? Meine Anregungen für Sie und Euch heute Morgen lauten also: 

  • Wo laufe ich das Risiko, die ignatianische Spiritualität als den EINZIGEN Weg zu erachten? 
  • Was hilft mir, meine Spiritualität nicht zu verabsolutieren? 
  • Ist für mich die Spiritualität nur eine Kuschelecke?
  • Habe ich meine Sendung im Blick?
  • Für welche Elemente der ignatianischen Spiritualität bin ich dankbar und freudig, sodass ich von unserem spirituellen Weg gerne weitererzählen mag? 

Darüber können Sie nun einfach für 3-5 Minuten mit Ihrer Sitznachbarin oder ihrem Sitznachbarn ins Gespräch kommen. Wir rufen Sie zurück mit dem Sendungslied – Einen guten Austausch! 

Sendungslied

Segen

Lebendiger Gott, 

Du Quelle unseres Lebens,

schenke Dein Segen auf unseren Tag.

In Namen des Vaters… 

© Roberto Piani 2023 

Die Lieder, Impulsfragen und Zitate als Folien zum Download

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